"Meeres-Lager" in Artek

"Meeres-Lager" in Artek

Von Wyborg/Выборг (vgl. hier) zum Pionierlager Artek/Артек ist es weit. Aber vielleicht gibt es eine geheime Verbindung. Alvar Aaltos hatte im damals finnischen Wyborg von 1927-1935 die Bibliothek geplant und gebaut. Ebenso 1935 gründete er die Firma Artek: ” The founder Alvar and Aino Aalto, Maire Gullichsen and Nils-Gustav Hahl believed in a grand synthesis of the arts and wanted to make a difference in town planning as well as architecture and design.” (www.artek.fi/company)

Ob das 1925 auf der Krim in Gursuf/Гурзуф (http://de.wikipedia.org/wiki/Hursuf) gegründete “Internationale Pionierlager” Alvar Aalto zu seinem Firmennamen inspirierte, weiß ich nicht. Laut Bohdan Tscherkes kommt das Wort von dem kleinen Fluss und der Schlucht des Artek-Geländes. Auf Tatarisch heisst es Wachtel.

Die hier vorgestellte Postkarte wurde vom Kiewer Verlag Mistetztwo/Мистецтво (Ukrainisch für “Kunst”) herausgegeben. Eine Jahreszahl ist nicht angegeben – vermutlich 60er Jahre. Fotografiert wurde die Ansicht von I.R.Tunkel/И.Р.Тункель. Die Aufschrift auf der Rückseite ist auf Russisch/Ukrainisch/Englisch und besagt, dass es sich um ein Gebäude aus dem “Meeres Lager”/Морский лагерь handelt.

Rückseite der Karte

Rückseite der Karte

Das “Meeres Lager”/Морский лагерь wurde im Juli 1961 eingeweiht. Es bestand aus 7 Gebäuden für 500 Personen und steht dort, wo der Gründer Arteks Solowjow 1925 das erste Zelt für kranke Kinder aus Moskau und Iwanowo aufschlug.

Auf der Abbildung sieht das Gebäude sehr neu aus und die anwesenden Pioniere scheinen das Haus zurückhaltend zu begutachten. Nur ein paar wenige Leute, der Kleidung nach zu urteilen sind es Lehrer oder Erzieher, begehen das Gebäude. Die im Haus befindlichen Leute tragen keine Pionieruniformen und schauen auf die Kinder auf dem Vorplatz. Interessant finde ich die beiden Personen auf der 2. Etage, die sich von der Menge abwenden und separat stehen.

Artek - Detail

Artek - Detail

Der Fotograf scheint keinen besonderen Moment abgewartet zu haben. Eher wirkt die Situation als ob die Pioniere sich gerade zu einer Veranstaltung versammeln oder als ob eine kollektive Veranstaltung gerade zu Ende ging. Die Gruppe links im Bild hat eine rote Fahne – vielleicht es es aber auch eine Ungenauigkeit im Druck.

Das Pionierlager Artek ist aus verschiedenen Gründen zu Berühmtheit gelangt. Einerseits als kommunistisches Pionierlager, das noch auf den Ideen von Lenin und seinen frühen Gefährten beruht. Ausserdem stand es von Anfang an für Internationalität . Schon 1926 besuchte Clara Zetkin Artek mit einer deutschen Kindergruppe. Nach dem 2. Weltkrieg und dem Tod Stalins wurde architektonisch der Anschluss an die Moderne gesucht. Gerade für Artek wurden sehr elegante und moderne Lösungen gefunden. Der von Chruschtschow/Никита Сергеевич Хрущёв favorisierte Architekt Anatoli Poljanski/ Анатолий Трофимович Полянский (http://en.wikipedia.org/wiki/Anatoly_Polyanski) setzte die Pläne in der gewünschten industrialisierten Bauweise um und konnte somit beweisen, dass man auch in Modulbauweise vielseitige und abwechslungsreiche Gebäude bauen kann. Es wird davon ausgegangen, dass Poljanskis Planungen auf den 1937 gefertigten Skizzen von Iwan Leonidow/Иван Ильич Леонидов basieren. (http://en.wikipedia.org/wiki/Ivan_Leonidov).

Am Ende der Sowjetzeit bestand Artek aus 9 Lagern. Für die Pioniere aus aller Welt war es eine Auszeichnung dorthin in die Ferien entsandt zu werden. Früh übt sich wer ein guter Kommunist werden wollte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Artek
http://www.suuk.su/inter_de/
http://www.baufachinformation.de/literatur.jsp?dis=2007039004720

Thomas Neumann

Bibliothek in Wyborg

Bibliothek in Wyborg

Auf den ersten Blick sieht diese Karte aus dem Wyborg-Set Выборг ganz typisch aus. Sie ist eine von 12 Karten, heraugegeben 1968 in einer Auflage von 25000 vom Verlag Lenisdat лениздат. Die städtische Zentralbibliothek, als eine wichtige Bildungsstätte auch in anderen Städte-Sets vertreten, ist abgebildet. Vermutlich ist die Karte etwas vergilbt, denn das Gebäude war/ist sicher weiß. Leider ist die Architektur vom Grün verdeckt. Die Sonne scheint und zwei ältere Damen kommen aus dem Gebäude. Sie sehen aus wie Mitarbeiterinnen – nach der Größe der Handtasche zu urteilen, scheinen sie keine Bücher ausgeliehen zu haben. Beide haben ein blaues Kleid an, was gut zu dem Grün-Gelb der gesamten Komposition passt. Obwohl das Gebäude weiß hinter dem Grün hervorleuchtet, ist die Fassade des Eingangsbereich schwarz bzw. dunkel. Durch den Schatten der Bäume fällt es zuerst kaum auf, aber es macht mich stutzig.

Der Stadtname Wyborg lässt mich aufhorchen – gab es da nicht mal eine Ausstellung im Gropiusbau? Die Künstlerin Liisa Roberts hatte zur Berlin Bienale 2004 ein Projekt zur Bibliothek in Wyborg gemacht. Es ist DIE berühmte Alvar Aalto Bibliothek! Von 1927-1935 im damals noch finnischen Viipuri erbaut. Auf der Karte selbst steht nichts von Alvar Aalto. Lediglich der Fotograf B. Lossin / Б. Лосин ist erwähnt. Entweder es war schlicht nicht bekannt, wer der Architekt war oder es wurde bewusst verschwiegen oder es wurde generell nicht für wichtig empfunden, wer der Architekt eines Gebäudes ist. Mir ist aufgefallen, dass auf Ansichtskarten der SU erst ab den 1980er Jahren gelegentlich die Namen der Architekten zu den abgebildeten Gebäuden erwähnt werden. Im Falle von Wyborg war es eventuell etwas besonders, da man mit dem finnischen Erbe umgehen musste. Aber wahrscheinlich fand keine große Auseinandersetzung statt, denn eine Bibliothek ist eine Bibliothek. Wenn sie gut aussieht und praktisch ist, umso besser. Das vom Grün umzingelte Gebäude scheint in einem guten Zustand zu sein. Immerhin ist es zum Zeitpunkt der Aufnahme (1968) schon 35 Jahre alt und hat den 2. WK hinter sich. Die grosse Fensterfront sieht original aus und verschafft dem dahinter liegenden Treppenhaus viel Licht. Immerhin wurde es nicht mit einem Glas-Mosaik oder, noch schlimmer, mit dicken Vorhänge verschandelt. Oben am Gebäude erkenne ich einen Handlauf. Vermutlich gibt es eine Dachterrasse. Ob die im kühlen Norden Europas soviel Sinn macht? Wahrscheinlich durfte sie sowieso nicht betreten werden.

Neben der Bibliothek sind noch der Kulturpark, der Lenin-Prospekt, das Peter I Denkmal, der Uhrturm, der Bahnhof, das Lenindenkmal, das Denkmal für die Finnischen Rotgardisten, das Haus Lenins, das Wyborger Schloss, eine Winteransicht des Parks Monrepo und eine Skulptur zum Sowjetischen Soldaten in dem Set verewigt. Ich habe das Set mit 11 Karten bekommen. Die Karte, die fehlt, ist das Wyborger Schloss. Vermutlich wurde das traditionell aussagekräftigste Motiv ausgewählt, um jemanden Grüße aus Wyborg zu senden. Zum Glück hat der- oder diejenige nicht die berühmte Bibliothek genommen – sonst hätte ich jetzt nicht diese historische Abbildung.

http://en.wikipedia.org/wiki/Vyborg_Library
http://www.alvaraalto.fi/viipuri/building.htm

Thomas Neumann

Abakan River Station

January 20, 2009

The Abakan river runs more than 500 kilometres accompanying the upper Yenisei and finally flowing into the Krasnoyarskoye reservoir feeding the Krasnoyarsk hydroelectric dam. Obviously the river is navigable and back in 1974, when the picture postcard shown was issued, was used by passenger ships or ferrys. Here we have the riverside station of Abakan, part of a postcard set of 12, issued by the publisher Sowjetskaja Rossia. Pictures are taken by D. Kritshewski.

Abakan River Station

Abakan River Station

Abakan Airport

January 20, 2009

The city of Abakan today is the largest in the Republic of Khakassia. It is located down south central in Siberia. Thinking of the distances one has to bridge in this geographic area, an airport is a must-have for most places and is crucial for public transportation. Abakan airport calls itself  “International” but this is mainly for cargo connections to China. For passengers Vladivostok air currently (season Winter 2008-2009) maintains a regular flight connection to Vladivostok and Moscow-Vnukovo.

Airport Abakan

Airport Abakan

Website City of Abakan (Russian)
– the Wikipedia on Abakan: englishrussiangerman
Abakan Airport