Eine Bibliothek in Wyborg

July 24, 2009

Bibliothek in Wyborg

Bibliothek in Wyborg

Auf den ersten Blick sieht diese Karte aus dem Wyborg-Set Выборг ganz typisch aus. Sie ist eine von 12 Karten, heraugegeben 1968 in einer Auflage von 25000 vom Verlag Lenisdat лениздат. Die städtische Zentralbibliothek, als eine wichtige Bildungsstätte auch in anderen Städte-Sets vertreten, ist abgebildet. Vermutlich ist die Karte etwas vergilbt, denn das Gebäude war/ist sicher weiß. Leider ist die Architektur vom Grün verdeckt. Die Sonne scheint und zwei ältere Damen kommen aus dem Gebäude. Sie sehen aus wie Mitarbeiterinnen – nach der Größe der Handtasche zu urteilen, scheinen sie keine Bücher ausgeliehen zu haben. Beide haben ein blaues Kleid an, was gut zu dem Grün-Gelb der gesamten Komposition passt. Obwohl das Gebäude weiß hinter dem Grün hervorleuchtet, ist die Fassade des Eingangsbereich schwarz bzw. dunkel. Durch den Schatten der Bäume fällt es zuerst kaum auf, aber es macht mich stutzig.

Der Stadtname Wyborg lässt mich aufhorchen – gab es da nicht mal eine Ausstellung im Gropiusbau? Die Künstlerin Liisa Roberts hatte zur Berlin Bienale 2004 ein Projekt zur Bibliothek in Wyborg gemacht. Es ist DIE berühmte Alvar Aalto Bibliothek! Von 1927-1935 im damals noch finnischen Viipuri erbaut. Auf der Karte selbst steht nichts von Alvar Aalto. Lediglich der Fotograf B. Lossin / Б. Лосин ist erwähnt. Entweder es war schlicht nicht bekannt, wer der Architekt war oder es wurde bewusst verschwiegen oder es wurde generell nicht für wichtig empfunden, wer der Architekt eines Gebäudes ist. Mir ist aufgefallen, dass auf Ansichtskarten der SU erst ab den 1980er Jahren gelegentlich die Namen der Architekten zu den abgebildeten Gebäuden erwähnt werden. Im Falle von Wyborg war es eventuell etwas besonders, da man mit dem finnischen Erbe umgehen musste. Aber wahrscheinlich fand keine große Auseinandersetzung statt, denn eine Bibliothek ist eine Bibliothek. Wenn sie gut aussieht und praktisch ist, umso besser. Das vom Grün umzingelte Gebäude scheint in einem guten Zustand zu sein. Immerhin ist es zum Zeitpunkt der Aufnahme (1968) schon 35 Jahre alt und hat den 2. WK hinter sich. Die grosse Fensterfront sieht original aus und verschafft dem dahinter liegenden Treppenhaus viel Licht. Immerhin wurde es nicht mit einem Glas-Mosaik oder, noch schlimmer, mit dicken Vorhänge verschandelt. Oben am Gebäude erkenne ich einen Handlauf. Vermutlich gibt es eine Dachterrasse. Ob die im kühlen Norden Europas soviel Sinn macht? Wahrscheinlich durfte sie sowieso nicht betreten werden.

Neben der Bibliothek sind noch der Kulturpark, der Lenin-Prospekt, das Peter I Denkmal, der Uhrturm, der Bahnhof, das Lenindenkmal, das Denkmal für die Finnischen Rotgardisten, das Haus Lenins, das Wyborger Schloss, eine Winteransicht des Parks Monrepo und eine Skulptur zum Sowjetischen Soldaten in dem Set verewigt. Ich habe das Set mit 11 Karten bekommen. Die Karte, die fehlt, ist das Wyborger Schloss. Vermutlich wurde das traditionell aussagekräftigste Motiv ausgewählt, um jemanden Grüße aus Wyborg zu senden. Zum Glück hat der- oder diejenige nicht die berühmte Bibliothek genommen – sonst hätte ich jetzt nicht diese historische Abbildung.

http://en.wikipedia.org/wiki/Vyborg_Library
http://www.alvaraalto.fi/viipuri/building.htm

Thomas Neumann

One Response to “Eine Bibliothek in Wyborg”


  1. […] Wyborg/Выборг (vgl. hier) zum Pionierlager Artek/Артек ist es weit. Aber vielleicht gibt es eine geheime Verbindung. […]


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